6. März 2015

15:00h

Öffentlicher Bürotermin

Gast: Amit Epstein

Gespräch zu seiner Kurzfilmtriologie: Stockholm Syndrome

 Amit Epstein: Filmstill aus Stockholm Syndrome, 2010, Foto: Avi Levin
Amit Epstein: Filmstill aus Stockholm Syndrome, 2010, Foto: Avi Levin

Die dreiteilige Videoarbeit Stockholm Syndrom handelt von der Sehnsucht vieler Juden, nach Europa zurückzukehren. Besonders viele junge Israelis fühlen sie sich zu einer Heimat hingezogen, in der sie nicht geboren wurden und von der sie wissen, dass es vom Täter-Opfer-Verhältnis gekennzeichnet ist, ein Verhältnis, dass eine Schlüsselrolle in der Herstellung von Israeltum spielt.


Amit Epstein (geboren 1977 in Tel Aviv) studierte an der Thelma Yellin High School für Tanz, Theater und Performance Theaterwissenschaft und absolvierte anschließend einen Intensivkurs im Bereich Tanz-Theater an der SNDD in Amsterdam. Er studierte Kunst an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem. Anschließend besuchte er die Haute-Couture-Meisterklasse von Vivienne Westwood an der UdK in Berlin. Seit 2007 arbeitet er an verschiedenen Theatern als Kostümbildner, Dramaturg und Autor. Er wirkte an mehreren Tanz- und Theaterproduktionen in Europa und Israel mit.

Als Regisseur hat Amit Epstein die Kurzfilme "Bar-Mitzvah", "SansSouci", die Kurzfilmtrilogie "Stockholm Syndrome" und "Gloomy Sabbath" realisiert. Seine Filme wurden auf diversen Festivals zu sehen, und zudem in zahlreichen Ausstellungen in verschiedenen nationalen und internationalen Galerien präsentiert. Drei seiner Filme wurden von der deutschen Kurzfilmagentur in ihren jährlichen erscheinenden Katalog, "Gloomy sabbath" war mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet und in die Liste der "100 herausragenden deutschen Kurzfilme" aufgenommen.


8. März 2015

11:00-19:00h

Oreet Ashery:

Bad Company

Öffentlicher Workshop

Videostill aus dem Theaterlabor, gegründet 1959 von Jerzy Grotowski
Videostill aus dem Theaterlabor, gegründet 1959 von Jerzy Grotowski


Ein Raum für die gemeinsame Herstellung einer Reihe text- und bildbasierter Arbeiten.


Bad Company plädiert für den politischen Wert des Schlecht-Seins, oder der Beeinflussung durch schlechten Umgang und schlechte Ideen: Eine kleine Pause von den Erwartungen hochfunktionalen Inputs und den Regimes anspruchsvoller kultureller Affirmation. Im Workshop zelebrieren wir gemeinsam den Reiz des Ungenügenden und Nebensächlichen unter Verwendung von Gelaber, von kleinen Bewegungen und Klebstoff.

Der Workshop in englischer Sprache ist kostenfrei, geht aber von der Beteiligung der Teilnehmer_innen aus, die gebeten sind einen Text oder ein Bild (selbstverfasst oder von anderen) davon mitzubringen, was sie für schlechten Umgang bzw. schlechte Gesellschaft halten. Das kann damit zu tun haben, was bestimmte Institutionen oder Regimes als schlechten Umgang definieren, oder sie selbst und weshalb.


Im Rahmen ihrer Praxis übersetzt die in London lebende Künstlerin Oreet Ashery (*1966 in Jerusalem) Sub- und Gegenkulturbewegungen sowie Trash-Ästhetiken in Performances, Situationen, öffentliche Plattformen, Photographien, Videos, massenproduzierte und einzigartige Artefakte, Text und Auftragsmusik. Ihr expansives und eklektisches Werk besteht aus vielschichtigen Projekten, die aus minoritären Perspektiven heraus und oft durch intime Momente der Anerkennung ideologische, soziale und Geschlechterregimes offenlegen.

Ihre letzten Arbeiten beschäftigten sich mit Rhetoriken der Freiheit, kollektiven Aktionen und kulturellen Werten (Party für Freedom, Artangel 3013; The Wood is Flooding, Tate Modern Turbine Hall 2014). Asherys Werk und Performances wurden international gezeigt, u.a. im ZKM Karlsruhe, Haus der Kultuten der Welt, Brooklyn Museum, Overgaden Copenhagen, DEPO Istanbul, Whitstable Biennale, Centre Pompidou, und Freud Museum. Derzeit ist sie Stanley Picker Stipendiatin (2014/15) und Gastprofessorin in der Sektion Malerei der RCA.

Teilnahme:

Der Workshop ist offen für 7 Teilnehmer*innen. Verbindliche Anmeldungen für die gesamte Dauer des Worshops hier oder per Email an redemption(bindestrich)jokes(at)ngbk(punkt)de


11. und 14. März

Öffentlicher Bürotermin

Anja Ibsch:

Cheesecake

Encounter

Unter Encounter (engl. für: Begegnung) versteht man eine Selbsterfahrung, sowie darauf aufbauende Bewegungen, also sich selbst erforschen, bewusster werden und persönlich wachsen. Es geht um direkten unmittelbaren Kontakt mit dem eigenen Cheesecake und mit Anja Ibsch im Hier-und-Jetzt.

Bei der Existenzanalyse meint Selbstdistanzierungdas humorvolle Absehen von sich selbst. Zwei von der Selbstdistanzierung abgeleitete, sehr nützliche Techniken zum Umgang mit körperlichen Symptomen sind die paradoxe Intention und die Dereflexion. Komplexes Unwissen erlaubt somit Momente des Schwankens im künstlerischen Prozess. Kaffee gibt es auch.


Anja Ibsch arbeitet in den Bereichen Performance Kunst und Installation, in ihrer Praxis beschäftigt sie sich intensiv mit der Erforschung von persönlichen, kulturellen und sozialen Aspekten der menschlichen Präsenz. Es ist eine Art, mit den „Zellen zu denken“. Zahlreiche Performances realisierte sie in Europa, Asien und Amerika. Anja Ibsch ist/war Mitglied u.a. der Ultimate Akademie Köln (1993–1999), der Berliner Gruppe pakt (2000–2004), der Rheinischen Fundamentalisten in Köln (seit 1995), des Berliner Performer Stammtischs (seit 2005), der Association for Performance Art in Berlin (seit 2013). 2005 organisierte Anja Ibsch die 13. Performance-Art-Konferenz zum Thema Kooperation in Berlin. Für den diesjährigen Monat der Performance Kunst Berlin plant sie ein Programm mit dem Titel „Serious Laughter“.

Anmeldung:

mit Zeitpräferenzangabe für ein Encounter für jeweils eine Person bitte unter redemption-jokes@ngbk.net


Mittwoch 11.3.

16 - 17 Uhr (booked)

17 – 18 Uhr (booked)

18 – 19 Uhr (booked)

 

Samstag 14.3.

15 – 16 Uhr (booked)

16 - 17 Uhr (booked)

17 – 18 Uhr (booked)


12.-14. März

Branka Pavlovic:

Demoaufnahme(n)

Öffentlicher Workshop der künstlerischen Kunstvermittlung

Videoporträt trifft Strassenfotografie. Das Büro für wiedersprüchliche Beziehungen in dem Ausstellungsraum der nGbK ist der Ausgangspunkt für eine 3-tägige Videoerkundung der Oranienstraße und der Umgebung mittels Videoportraits. Die Teilnehmer_innen begeben sich auf der Suche nach unerwarteten Situationen, unentdeckten Ecken, verborgenen Schätzen, besonderen Persönlichkeiten und dem Humor im Alltag. Alle Formate sind erlaubt – von Videoselfies bis zu den dokumentarischen Videoportraits und animierten GIFs. Während des Workshops erkunden wir zusammen, was für Geschichten menschliches Gesicht erzählen kann und schauen uns die kleinen Freuden, Widersprüche und Paradoxe des Lebens durch das Kameraobjektiv an. Die entstandenen Videoportraits werden öffentlich präsentiert im Rahmen der Redemption Jokes Teil 2 Ausstellung in September/November 2015.

Der Workshop ist offen für alle Interessierten mit und ohne Erfahrung im Bereich Video und Fotografie. Zur Verfügung stehen 2 NIKON SLR D3100 Kameras, 2 Stative und Audiorecorder. Teilnehmer_innen können auch eigene Kameras/Handys/iPads/Tablets nutzen.


Branka Pavlovic ist Filmemacherin und Videokünstlerin und nGbK-Stipendiatin für künstlerische Kunstvermittlung 2013/2015.

Zeitplan:

Donnerstag 12.03., 17.30-19h

Input:Von der Portraitfotografie zu den Selfies (kurze Geschichte der (Video)Porträts). Ideenfindung, Brainstorming.

 

Freitag 13.03, 11-16h

Recherche, Ideen- und Personen- und Locationsfindung Vorbereitung, Requisite, Ausstattung, Filmen vor Ort in 2 (oder mehrere) Gruppen.

 

Samstag 14.03, 12-16h

Zusätzliche Aufnahmen, Nachbearbeitung, evtl. Schnitt, Farbkorrektur, Fertigstellung der Videos.

Teilnahme:

Die Teilnehmerzahl ist auf 6 Personen begrenzt. Verbindliche Anmeldungen zum Workshop per Email an kunstvermittlung(at)ngbk(punkt)de.


18. März

10:00-19:00h

Branka Pavlovic:

Demoaufnahme(n)

Videoportraits

Geschlossener Workshop

Videoworkshop mit den Schüler_innen des Gymnasiums Tiergarten, Berlin.


20.-21. März

16-19h und 10-16h

Jeremiah Day

Öffentlicher Workshop

Jeremiah Day - Untitled from Fred Dewey, Simone Forti, and Jeremiah Day - NewsAnimations Errant Bodies, Berlin - March 15, 2012
Jeremiah Day - Untitled from Fred Dewey, Simone Forti, and Jeremiah Day - NewsAnimations Errant Bodies, Berlin - March 15, 2012

Irgendwann sagte Simone Forti mal zu Jeremiah: “Keep it light!” Politische Inhalte sanft und weich zu vermitteln ist nicht nur überzeugender, sondern auch richtig: letztlich geht es dabei auch um Menschen, die handeln, anordnen und leiden. In diesem Workshop werden wir uns mit einer Art und Weise des Nahe-Seins, des Ernsthaften ohne (zu viel) Haltungsdruck und Selbstgerechtigkeit befassen: nämlich dem Bodenständigen. Die globalisierte kritische Theorie kommt durcheinander, wenn sie mit ganz konkreten Situationen konfrontiert ist. Wie wäre es, wenn wir umgestülpt denken würden, und von dort zurück? Hier geht es um konkrete Beispiele solcher Neuverortungen, inbesondere um Allan Kaprows und Amiri Barakas sehr unterschiedliche Ansätze. Der Workshop widmet sich der Diskussion, unterbrochen von Feldforschungen und hoffentlich von Gastrednern. Berlin ist letztlich die Wahlheimat vieler Expats und dafür zur Zeit ebenso bekannt wie dafür, die Hauptstadt eines deutschen Staats zu sein, der seine Ambitionen dem europäischen Projekt nicht mehr unterordnet. Ebendiese Überschneidung bildet den sorgfältig und behutsam zu untersuchenden Hintergrund  des Workshops.


Ausgehend von Sprache und improvisierter Bewegung untersucht der in Berlin und Amsterdam lebende Künstler Jeremiah Day den öffentlichen Raum als Geflecht mikro-historischer Ereignisse zwischen Regional- und Weltgeschichte, als flüchtiges Fragment narrativer Zuschreibungen und Aufladungen anonymerer geschichtlicher Kräfte.

Teilnahme:

Der Workshop ist offen für 15 Teilnehmer*innen. Er ist kostenfrei.  Verbindliche Anmeldungen für die gesamte Dauer des Worshops hier oder per Email an redemption(bindestrich)jokes(at)ngbk(punkt)de


22. März 2015

15-19h

Sol Calero

Salsa

Öffentlicher Workshop (drop-in)

Sol Calero, Ornament im Büro für wiedersprüchliche Beziehungen, 2015
Sol Calero, Ornament im Büro für wiedersprüchliche Beziehungen, 2015

Sol Caleros Workshop “Salsa” kreist um den lateinamerikanischen Tanz- und Musikstil und setzt ihre Erkundungen zu Multifunktionalität, Komplexität und Ästhetik von südamerikanischen Sozialräumen fort. Salsa, ein Musik- und Tanzstil, der gemeinhin für ein pan-lateinamerikanisches Phänomen gehalten wird, entwickelte sich ursprünglich in den 1970ern in Ost-Harlem (N.Y.)- einem Stadteil, der von den New Yorkern ‚el Barrio‘ genannt wird.

Abgesehen von ihren musikalischen Innovationen zeugt die Salsaszene und auch die übrige lateinamerikanische Musikszene New Yorks sehr lebendig davon, welche soziale Kraft von Musik innerhalb der kulturellen Integration ausgeht. In und mit ihr fanden die spanisch sprechenden Immigranten ein hilfreiches Instrument zum Definieren ihrer eigenen Gemeinschaft und Kultur. Hier konnten die Bedrängnisse der Armut thematisiert werden und hier entspannte sich ein ermächtigender kultureller Raum für die “Latinos”, der sie sowohl mit ihren Wurzeln verband, als auch in New York zu Hause fühlen ließ. Die Texte variierten von Herzschmerz über Machoposen bis hin zu scharfen kulturellen und politischen Kommentaren zur Vietnam-Ära, den gewaltvoll unterdrückten linken Aufständen in Zentral- und Südamerika und dem gefährlichen Strassenleben in New York City.

Die überbordende, energetische Musik und ihre ansteckende Wirkung resultierte in unzähligen einheimischen und regionalen Stilen in ganz Lateinamerika und ließ Salsa zum Kraftwerk werden, das Latino-Musik und -Tanz bis weit in die 80er und 90er dominierte. Vierzig Jahre nach den ersten Salsawellen blieb es ein beharrliches inernationales Phänomen, dessen Popularität sich in Salsanächten, Konzerten, Tanzschulen in der ganzen Welt fortsetzt. Während die Musik und der Tanz einerseits ein echtes Interesse an lateinamerikanischer Kultur auslöste, so projizieren die Salsa-Faszinierten andererseits oft ein idealisiertes, exotisiertes, ästhetisiertes Bild auf diese, das im Allgemeinen der lateinamerikanischen Alltagsrealität sehr fernliegt.

Auf diese Weise hat Salsa, die nordamerikanische Schöpfung, einen doppelten Effekt; und zwar indem die Latinos den westlichen Blick auf sie selbst aufnehmen und zurückprojizieren und indem diese Rückprojektion den Non-Latinos ein Ventil für ihre Phantasien der aufreizenden Emotionen und pikanten Leidenschaften anbietet, die ihrerseits auch kulturellen Unterdrückungen ausgeliefert sind.


Ablauf:

15:00h

Redemption Legs. Witty Non-Compliance in Tactical Frivolity, Lindy Hop and Salsa

Einführende Gedanken von Anna Bromley (in engl. Sprache)


15:15h

Latin Music USA

Ausschnitte aus der Dokumentation von Pamela A. Aquilar/Daniel McCabe, 2009, 240 min., engl.


17-19h p.m.

Dancing Salsa

Tanzeinführung mit Bettina Cabrera (La Mambita Tanzschule) und Caracas Mules an der Bar


Teilnahme:

Der Workshop ist als Drop-In angelegt. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.


24. März 2015

17:00h

Öffentlicher Bürotermin

Gast: Preciosa de Joya

Der Philosoph furzt.

Preciosa de Joya, Stipendiatin des Institute for Cultural Inquiry arbeitet im Rahmen des ICI-Kernprojektes Errans zu Sozialräumen der phillipinischen und indonesischen Kultur, die die abendländische philosophische Befragung bisher als unwürdig oder uninteressant befunden hat.

Sie wird mit uns den fallspezifischen Humor der Clown-Diener (Punakawans) im Javanischen Puppentheater (Wayang) diskutieren. Die Lektüre des vorbereitenden Textes wird empfohlen, ist aber nicht Vorraussetzung.

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The Philosopher Farts and Clown.pdf
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